Raus aus deutschsprachigem Raum

Slowenien

Also der Stellplatz in Kamniska Bistrica ist unvergleichlich cool.
Es gibt Strom, wenn man entweder ein sehr langes Kabel dabei hat, oder nah genug an den Steckdosen steht. Der Stellplatz selbst ist eine Wiese, leicht schräg, je nach Wetter auch gern weich. Hinter einem Gasthaus gelegen, umrandet von Bergen, die auch ordentlich hoch sind.
Im Gasthaus trifft man auf drei Generationen, die alle diverse Sprachen sprechen und mega nett sind. Es wird geraucht und man riecht, dass hier gern mal Frittiertes serviert wird. Es gibt keine Speisekarten, es gibt halt was da ist. Schnitzel, Schweinebraten, wenn man lieb fragt auch nen Salat. Marian, der Hausherr ist ein unglaublich lieber Mensch, der schon viel erlebt hat.
Das Nebenzimmer des Gasthauses ist ein Tito/kommunismus-Gedenkschrein. Alles ist voll mit Fahnen und Bildern aus der alten Zeit. Unweit vom Gasthaus ist ein beeindruckendes Haus, welches Tito wohl als Ferienhaus oder so gedient hat. Krasse Bude. Steht jetzt leer.

Aufbruch nach Kroatien

Das Wetter verheißt nichts gutes. Es soll regnen und gewittern, hier oben kann das schnell ungemütlich werden. Also alles zusammengepackt und abreisefertig gemacht.  Marian, der Betreiber des Stellplatzes kontrolliert, ob wir auch genug Frischwasser mitnehmen und sagt, wir können uns jederzeit melden, wenn wir Probleme haben sollten. Polizei, Unfall, dolmetschen eben. Bester Typ.
Wir kommen problemlos durch Slowenien und nach Kroatien. Es wird mediterran, wärmer und wir kommen nach Selina. Hier ist unser Stellplatz. Die Landschaft ist wirklich schön, doch auch ein wenig karg. Alles ist voll mit Olivenbäumen und Wein.
Der Stellplatz selbst hat alles, was ein Stellplatz haben kann, sogar eine Outdoordusche, die trotzdem blickdicht abgeschirmt ist. Tolles Gefühl so zu duschen.
Der Betreiber verkauft Olivenöl, Oliven und Wein und wir probieren alles und nehmen auch ne PET-Flasche Wein mit. Wird hier so abgefüllt.
Der Ort gibt leider nicht viel her, ein bisschen Viehzucht, ein bisschen Landwirtschaft und jedes Haus hat mindestens einen Hund im Vorgarten, der mit oder ohne Kette vollkommen ausflippt. Der Spaziergang ist nicht nur für Finny anstrengend, auch wir sind geschafft. Schade, der Platz ist wirklich cool, doch hier ist einfach nix.

Premantura

In der Nebensaison gibt es viele Campingplätze, die Sonderpreise anbieten. Wir entscheiden uns für einen Campingplatz bei Premantura, nahe Medulin. Auf dem Weg dorthin besichtigen wir Poreç, was uns nur mittelmäßig beeindruckt. Die Stadt an sich ist wirklich schön, doch der Tourismus mit seinen Auswüchsen ist einfach so präsent, dass es fast unmöglich ist, in Ruhe durch die schönen Gassen zu gehen. Wir wurden einfach an jeder Ecke angequatscht, von Kellnern, Ladenbesitzern und so weiter, die uns gerne in ihren Läden gesehen hätten. Bei uns hat es das Gegenteil bewirkt und wir sind wieder abgedampft, weiter zum Campingplatz.
Der Platz ist wirklich toll, auf einem Hügel gelegen, mit Blick auf Medulin und Halbinseln. Unter Pinien suchen wir uns einen Platz zwischen den Dauercampern, die alle (noch) nicht da sind. Wir gehen ans Wasser und sind beeindruckt von der Temperatur und Klarheit des Wassers. Ich bin eigentlich nicht die Wasserratte, doch ich muss sofort schwimmen gehen. Ich empfehle jedem, der in dieser Region schwimmen möchte, Badeschuhe zu tragen. Ja die sind uncool und so, aber n Seeigel im Fuß ist noch uncooler.
Das Wasser ist toll, auch Finley tobt im Wasser und legt sich zum Abkühlen hinein.
Wir verbringen die nächsten Tage mit viel schwimmen, laufen, wandern und so weiter. Das Naturschutzgebiet liegt ums Eck und ist einen Besuch wert. Zu Fuß kann man sich dort gut bewegen, auch wenn man theoretisch mit dem Auto dort rein darf. Ich rate zu Fuß oder mit dem Rad zu gehen und sehr früh dort zu sein. In der Hauptsaison wird es dort sicher schnell voll, doch wenn man ein wenig läuft, findet man sicher immer eine einsame Bucht, in der man ungestört ist. Hier ist vorsicht geboten, die Seeigel sind hier an der Felsküste zu hunderten zu finden.
Der Platz füllt sich mit den Dauercampern, fast alle aus Ljubljana, ist ja auch nicht weit. Unsere Nachbarn hören gern Radio im Wohnwagen, auch wenn sie gar nicht da sind.
Das ist allerdings nach dem Wochenende auch wieder vorbei, die meisten kommen für drei Nächte rüber.
Naja, wieder was, was wir lernen können. Nach der ganzen Zeit allein oder zumindest relativ einsam auf Stellplätzen ist das was, woran wir uns gewöhnen müssen.
Abends hab ich mal mit Pippo telefoniert, ist schön eine vertraute Stimme zu hören.
Auf dem Platz hab ich auch mein Flashset gemalt, mit dem Segelschiff drauf. Ist alles noch als Tattoo zu haben und das Sheet selbst ist auch zu verkaufen.

Nijvice

Wir haben nach ein paar Tagen genug vom Platz und der Gegend, die wirklich sehr schön ist, aber irgendwann muss man ja auch mal weiter und sieht sich satt, und suchen uns das nächste Sonderangebot raus.
Nijvice soll es werden. Da bekommt man auf dem Campingplatz mit der ADAC-Campingcard n guten Kurs. Diese Karte lohnt sich echt. Ist in der App mit drin und wenn man sich nen Campingführer kauft glaub ich auch.
Der Platz ist heftig. Groß, deutsch, teils wird grad gebaut, es gibt auf dem Gelände nen eigenen Supermarkt, Zeitungsladen, Bäckerei, Gemüseladen und in der Hauptsaison auch ein Andenkengeschäft.
Außerdem gibt es eine Cocktailbar am Strand, eine Pizzeria und einen eigenen Hundestrand. Hundestrand ist cool. Cocktailbar ist auch ganz witzig, die haben immer nen Cocktail des Tages für 27 Kuna, das sind ca 3,90€.
Die Animationsprogramme finden anscheinend nur zur Hauptsaison statt. Schade.
Naja, es ist einfach warm und alles sehr deutsch. Neben uns steht ein Herr, der morgens mit Bier und Füßen auf dem Tisch Zigarre raucht. Einfach bissi crazy manches hier. Aber zum Wäsche waschen und schnorcheln reichts.  Schnorcheln hier ist der Knaller! Sind jetzt nicht megaviele Fische, aber für mich doch ausreichend viele (deutlich mehr als man sonst so in der Nordsee sieht).
Von hier aus gibt es einen Weg an der Küste entlang, bis zum nächsten Ort. Die Strecke eignet sich gut zum laufen, was ich ausgiebig mache und eine Persönliche Bestzeit auf 11km laufe.
Eigentlich wollten wir aber nur näher an die Plitvicer Seen und machen uns nach zwei Nächten wieder auf. Einfach zu viel los hier.

Plitvicer Seen 

Der Stellplatz liegt in Plitvicka Jezera und kostet 10€ pro Nase, Hund ist kostenlos. Wir parken Wohni und machen uns auf den Weg zu Fuß in Richtung eingang zum Naturschutzgebiet Plitvicer Seen.

Der erste Eindruck ist heftig. Es wirkt alles ein bisschen wie im Phantasialand, es gibt Boote und Züge (gezogen von Unimogs) mit denen man von einem Wasserfall zum anderen fahren kann. Der Eintritt liegt glaube ich ca. bei 20€ pro Person. Wir sind erstmal etwas überfordert, als einer dieser Züge landet und eine riesige Menschenmenge ausspuckt. Reisebusse und Touristengruppen. Das Naturparadies mit den Hunderten Wasserfällen hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt.

Trotzdem machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg um die Seen zu erkunden. Wir sind um 7:00 Uhr da, als der Park öffnet und fahren mit dem zweiten Boot über den See um zum Wanderweg zu gelangen. Es ist wirklich nur halb so wild wie befürchtet. Ja, es ist auf Massentourismus ausgelegt, aber es ist auch so wunderschön, dass jeder Mensch das mal gesehen haben sollte. Die ersten Stege können wir ungestört erkunden und als die ersten größeren Gruppen uns entgegenkommen sind wir schon am Ende der ersten Etappe. Danach fahren wir mit dem Bärentaxi zurück zur Anlegestelle und nehmen das nächste Boot zum großen Wasserfall. Das ist um die Zeit und mit Hund doch ne andere Geschichte.

Die Stege sind nicht breit, haben keine Geländer und einige Personen möchten einfach unbedingt nebeneinander hergehen und für einen Hund keinen Platz machen. Es wird für mich, der wirklich ein Problem mit Menschenmassen hat, langsam wirklich anstrengend. Viele der Gruppen aus Asien werden anscheinend sehr gehetzt und verlieren oft den Anschluss. Das versetzt sie in Panik und sie rennen ohne Rücksicht auf Verluste durch alles durch, was keinen Platz macht. Doch auch ohne Verlustängste gibt es einige Personen, die kein Problem haben, einem im vorbeigehen Ellenbogen in die Rippen zu hauen, obwohl man schon am Rand des Stegs balanciert. Der 30m Wasserfall am Ende haut uns nicht sooo von den Socken, dafür sind die kleineren auf dem Weg wirklich sehr schön und das klare Wasser ist beeindruckend und voll mit Fischen.

Nach der Tour machen wir uns auf den Rückweg, das muss reichen. wir sind seit 6:30 Uhr auf den Beinen und um 14:00 oder so zurück am Platz. Duschen, essen, Video schneiden, ab im Bett. Morgen möchten wir weg aus Kroatien. Es hat uns zwar größtenteils gut gefallen, aber irgendwie sind es extreme hier. Adria heiß und kahl, Inland fast schon alpenartig von Natur und Häusern her.

Auch die unfertigen, unverputzten Häuser und die Häuser mit Einschusslöchern versprühen eine etwas bedrückende Stimmung für mich. Ich war zu jung um den Krieg in der Region nachvollziehen und verstehen zu können und alles was seitdem passiert ist, ist irgendwie nicht so zu mir durchgedrungen. Auf der Reise habe ich schon viel gelesen im Netz zum Thema Jugoslawien, Tito und dem Kosovokrieg doch die ganze Sache ist irgendwie surreal, wenn man hier grade unterwegs ist

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