4 Wochen im Womo- jammer, jammer-heul,heul

4 Wochen im Wohnmobil

Ach, ich weiß auch nicht. Nun bin ich ja freier denn je und fühle mich trotzdem nicht so. Wenn man eine feste Wohnung hat und ein Auto, kann man mal eben irgendwo hinfahren. Das Wohnmobil muss erst „klar Schiff“ gemacht werden. Dickschiff sagen die Niederländer, glaube ich. Recht haben sie. Wohni ist ein Dickschiff. Mich nervt die Abhängigkeit von Camping- und Stellplätzen und ich beneide die Reisenden in einem Van, weil sie unauffällig auf einem Parkplatz übernachten können und auch kleine Straßen oder Wege befahren können. Die beneiden uns aber vielleicht um unsere Dusche und unser Klo. Ich weiß es nicht. Alles hat seine Vor- und Nachteile.

Bisher waren wir ja in Deutschland, Österreich, Slowenien und Kroatien. So richtig geflasht hat mich bisher allerdings wenig. Wahrscheinlich habe ich gedacht, dass wir jeden Tag ein neues Wunder entdecken und ich nur an phantastische Orte komme und aus dem Staunen nicht mehr heraus. Manchmal spürt man das jedoch auch erst in der Erinnerung. Ich denke jetzt ganz verzaubert an Schottland zurück, obwohl ich nur Kopfweh hatte und es 17 von 21 Tagen regnete. Aber die Landschaft ist einzigartig, die Menschen so freundlich und die Geschichte des Landes gewaltig. Auch Madeira war der Hammer und der Moment in dem ich mit freien Delphinen schwamm wird mich für immer beflügeln.

Was aktuell fehlt

Wir sind jetzt vier Wochen unterwegs und ich vermisse meine Freunde. Nicht, dass ich sie nicht schonmal für vier Wochen oder länger nicht gesehen oder gehört hätte, aber diesmal ist es anders, weil sie so weit weg sind. Es fehlt mir mich zu unterhalten, also auch mit anderen als Felix. Auf der Arbeit habe ich mich ja immer viel verquatscht und dann wollte ich am Wochenende gerne eher meine Ruhe. Das hätte ich nicht von mir gedacht, dass mir ausgerechnet das Quasseln fehlen würde, aber so überrascht man sich selbst. Meine Nähmaschine, meine Bastelschublade mein PC zum Zocken fehlen mir auch.

Ich habe mir auch vorgestellt, dass ich ständig nur malen würde oder so. So viel Zeit zum kreativ sein, dachte ich. Aber erstens habe ich das Bedürfnis für den Blog zu schreiben und alles zu erzählen, was ich für wichtig erachte, Tips zu geben, die anderen helfen können. Zweitens hasse ich es wie die Pest kein mobiles Datenvolumen mehr zu haben, bzw. überhaupt unbegrenztes Internet. Diese ganze Datenschutzsache hat auch unglaublich viel Zeit gefressen. Jeder erzählt was anderes und sich reinzulesen und alle nötigen Schritte umzusetzten dauert einfach ewig. Die Bürokratie und gewisse Pflichten wird man eben nicht los.

Jammer, jammer, heul, heul

Man verbringt so viel Zeit damit sich zu überlegen, wo es als nächstes hingeht, Stellplätze auszuchecken, Routen zu suchen. Man muss auch gut Ordnung halten, damit das Womo nicht zumüllt und gefühlt stääääääändig einkaufen fahren. Wenn man Wandern war oder Schwimmen oder was auch immer, ist man danach total paniert und bekommt nichts mehr auf die Reihe- also zumindest ich nicht. Wenn man erst mal ein paar Stunden durch die Gegend gegurkt ist, ist man danach einfach nur müde. Es sind so viele Eindrücke und dann noch an irgendwelchen Küstenstraßen entlang, neben mir der Abgrund des Todes aus der Hölle und ich so mit Höhenangst. Orrrrrr, wat n Stress! Man kann gar nicht jeden Tag großes Programm fahren. Manchmal will man sich auch einfach nur ausruhen.

An einem Tag war ich so müde und mies drauf und wusste gar nicht wieso. Man nimmt seine Probleme, Gemütszustände und Eigenheiten nunmal auch mit auf Reisen, weil sie in einem sind und nicht in dem Kleiderschrank, den man verkauft hat. Schade, wäre ja auch zu schön gewesen. Dann hatte ich Sonnenbrand, der mir tat weh und ich hatte ungefähr 800 Mückenstiche und mein Hals war verrenkt. Mimimi. Dann diese Leute, deren Blicke ich an manchen Tagen einfach nicht ertragen kann. Man sollte meinen, dass Tätowierte heute keinen mehr vom Hocker hauen, aber weit gefehlt. Einer Oma habe ich die Zunge rausgestreckt, weil sie sich echt gar nicht mehr im Griff hatte. -Orr, lass misch de Ruh´ und kehr´ ma vor deiner eigenen Tür, Mensch! Deine blöde Dauerwelle will ik o nich jeschenkt ham!- denk ich mir.
Aber natürlich gibt e s auch ganz viele liebe und gescheite Leutz, die uns völlig normal behandeln.
Danke, dass ihr so seid und das es euch gibt!

Gestern und morgen, nicht aktuell

Ein Teil, den ich an mir nicht leiden kann, ist, dass ich entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft lebe. Wir stehen in Slowenien und im Kopf sitze ich in Venedig in einer Kirche oder wandere durch die Dolomiten. Eigentlich bin ich schon im März, wenn wir aus unserer Überwinterung in Portugal zurück kommen und dann hoch nach Norwegen fahren. Mein Kopf ist voller Vorstellungen von allem und wie es sein wird und meine Enttäuschung dann groß, wenn es anders ist. Und wenn wir eines Tages mit Europa durch sind, schnorchel ich auf Bali mit Rochen. Nur, damit du Bescheid weißt.

Ich weiß, das ist viel Gezeter, aber ich will erzählen, wie es wirklich ist oder wie es manchmal eben auch sein kann. Es gibt so viele Hochglanz-Vanlife-Beiträge und Fotos, da macht ja mal was ganz Neues, wenn man sagt: Ey, mir geht hier auch mal was auf den Sack!

Aber wo Schatten, da auch Licht

Es gibt aber mittlerweile wirklich schon viel zu erzählen und die Beiträge auf unserem Blog mehren sich. Bei einer Wanderung in Gnesau haben wir 3 Rehe gesehen, Feuersalamander, Schmetterlinge und viele Weinbergschnecken. Wir haben mittlerweile Blindschleichen, Ringelnattern und eine „Ichwillliebernichtwissenwasesfüreinewar“-Schlange. Unzählige Fische, einen Rieseneinsiedlerkrebs, Seeigel, einen Kalmar, einen Leguan, viele Eidechsen, furchterregende Spinnen. Libellen, fliegende Mistkäfer und Schmetterlinge, die man von zu Hause nicht kennt. Wir haben paradiesische Wasserfälle, Seen und Flüsse gesehen, das Meer und Olivenhaine, Weinberge und Steilküsten. Wir haben abgefahrene Orte gesehen, wie z.B. das Tito-Kommunismusgedenkzimmer in Slowenien und die goldige Rummelküche auf unseren Stellplatz bei den Plitvicer Seen. Die Plitvicer Seen waren wirklich fantastisch und das Schnorcheln auf Krk hat riesigen Spaß gemacht. Auch der Dom in Trier hat mich tief berührt.

Abwarten und kuhl bleiben

Ich glaube, dass ich, wie wahrscheinlich alle Langzeitreisenden erst mal runterkommen muss. Nach vier Wochen bin ich aus dem Arbeitsmodus, den ich seit 12 Jahren habe, immer noch nicht raus. Wir sind ja aber leider auch nicht im reinen Holidaymodus. Vor allem müssen wir uns auch um unsere Guestspots kümmern. Aber unterm Strich mache ich mir trotzdem mehr Stress als nötig. Aber sonst wäre Kristin nicht Kristin.

Ich habe mich auch schon etwas verändert. Ich bin nämlich ein Angsthase. Beim ersten Mal Schnorcheln seit Jahren habe ich quasi fast hyperventiliert. Mittlerweile geht es ganz gut, ich habe mich an die Atmung durch den Schnorchel gewöhnt und ich glaube nicht mehr ganz so fest, dass mich ein Hai frisst oder ein Stachelrochen mich erschießt oder ein Drachenfisch mich vergiftet. Auch wen Felix das Wohni um die Kurven an Steilküsten lenkt, denke ich nicht mehr bei jeder, dass wir runterstürzen und tot sind. Diese überaus positive Entwicklung erspart mir den ein oder anderen Migräneschub. Außerdem würde ich sagen, dass ich nicht mehr bei jedem, sondern nur noch bei jedem 3-5 Insekt, was sich auf mir niederlässt, hysterisch werde. Trotz Zeckenphobie bin ich nun auch mal in kurzen Hosen gewandert. Siehe da, ich mache mich ganz gut.

Ansonsten gibt es zwei Regeln: kein Heroin und nicht schwanger werden!*

*Nein, wir nehmen keine Drogen.

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